Man ist so alt, wie das ZDF sich fühlt

Oliver Welke, Oliver Kahn und Jochen Breyer sind die Protagonisten der Champions-League-Übertragungen im ZDF. Ein Trio, „das sowohl für Kompetenz und Seriosität als auch für Leichtigkeit und jugendliche Frische steht“, wie ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz betont.

(hier gelesen)

Oliver Welke ist Jahrgang 1966, Oliver Kahn Jahrgang 1969, immerhin haut der der jahrgangsjüngste (1982) Jungspund Breyer es etwas raus und senkt den Altersdurchschnitt auf knapp über 40. Gut zu wissen, wie Gruschwitz (Jahrgang 54) „jugendliche Frische“ definiert.

 

 

Splitterbrötchen (CCCVI)

Was nicht jeder weiß: In Streitgesprächen behält man öfter das letzte Wort, wenn man es mit einer Drohung untermauert.

Als junger Mann war ich meistens zu aufgeregt, um irgendwie cool zu wirken. Mittlerweile fühle ich mich zu alt und zu müde, um mich über jeden Scheiß aufzuregen. Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand das mit Coolness verwechseln sollte.

Das scharfe Anbraten von Kalbs-, Rinds- und Geflügelleber ist kontraproduktiver Quatsch.

1970 habe ich mir meine Meinung über den italienischen Fußball gebildet. Und sie seitdem nicht revidieren müssen.

Dass u.a. dem SpOn-Chefredakteur gekündigt wurde, überrascht nicht. Wer eine dermaßen offensichtlich von Dr. House inspirierte Serie wie „Ein rätselhafter Patient“ NACH der letzten von 8 Staffeln lanciert, hat unzweifelhaft ein gewisses Aktualitätsproblem.

Die mediale Aufregung um Klopps Haare verstehe ich nicht. Soll er doch, wenn er keine Geheimratsecken mag. Die entsprechende Kalauerei (L’Oreal Madrid) ist albern und niveaulos und wird sich hoffentlich legen, wenn er von Dortmund zum HaarSV wechselt.

Enttäuschung der Woche: Ausgerechnet Sybille Berg, die in ihrer SpOn-Kolumne ins modische Peter-Stein-Bashing einfällt. Wer Stein als „Schreier“ bezeichnet, der f“fest daran glaubte, Kunst ließe sich erzwingen“ hat wohl nie eine Stein-Inszenierung gesehen.

Und, Frau Berg: Natürlich lässt sich Kunst erzwingen. Was machen Sie denn als Künstlerin, wenn Sie mal ’n schlechten Tag haben? Sie nehmen sich frei? Schön für Sie. Das können sich die meisten Künstler nicht leisten.

 

Splitterbrötchen (CCCV)

Immer wieder erstaunlich, dass so wenige Menschen den Unterschied zwischen „Wissen wie’s geht“ und „Können“ kennen.

Ein Laden, bei dem ich vor drei Jahren einmalig was bestellt hab, bedankt sich per E-Mail für meine Treue. Entweder die halten mich für doof, oder der Marketingberater ist extrem beziehungsunerfahren.

Freundlichkeit ist ein Gut, von dem viele Menschen sich nur in kleinsten Mengen trennen. Vermutlich aus Angst, es könnte knapp werden.

Ein gegenteiliges Erlebnis hatte ich in dieser Woche am Bahnhof Wuppertal, wo ich vom vermutlich freundlichsten Döner-Verkäufer der Welt einen Döner erwarb. Nach Hineinbiss war klar, dass es sich bei dieser Freundlichkeit um präventive Notwehr gehandelt hatte. Einem dermaßen zuvorkommenden Menschen wirft man den Döner nicht ins Gesicht, auch wenn er noch so hundsmiserabel schmeckt.

In letzter Zeit zeigen mir die Firmen Amazon und Google beinahe ausschließlich Werbung für Produkte, die ich gerade eben gekauft habe. Will man mir einreden, soeben einen Fehlkauf getätigt zu haben, oder welche Gründe gibt es für dieses bizarre Vorgehen?

Was nicht jeder weiß: Hartnäckige Rotweinflecken lassen sich vermeiden, in dem man den Wein trinkt anstatt ihn zu verschütten.

 

Splitterbrötchen (CCCIV)

Katastrophe von kosmischen Ausmaßen: Lieblings-Griechen-Wirt Fitos hört auf. Ein festgefügtes Universum aus Grillfleisch, rohen Zwiebeln und Ouzo verliert sein Zentrum und gerät ins Wanken. Was soll nun werden?

Nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder eine Lammkeule ausgebeint (es gab Lammkeule nach Dieter Kaldewey). Obwohl vollkommen aus der Übung hielt ich in Minutenschnelle den Knochen in der Hand. Warum rollen einige Fleischer mit den Augen, wenn man sie um diese paar simplen Handgriffe bittet?

Das Bekenntnis der Woche gelang Markus Babbel: „Ich habe kein Internet.“

Was ich beklagenswert finde: Dass sich immer mehr Menschen aus meinem erweiterten Bekanntenkreis andauernd über irgendwas beklagen.

 

Splitterbrötchen (CCCIII)

Was nicht jeder weiß: Weißweinflecken kann man unkompliziert durch einfaches Drübergießen in Rotweinflecken verwandeln.

Eins der wunderbarsten Privilegien der Jugend: Der felsenfeste Glaube, Probleme einfach mit einer korrekten Attitüde lösen zu können.

Was auch nicht jeder weiß: man kann den Verzehr eines vegetarischen Gerichts elegant vermeiden, in dem man stattdessen eine Portion Sauerbraten oder ein Schnitzel bestellt.

Es war nicht alles schlecht in der DDR. Immerhin haben Walter und Erich die Transitstrecken gebaut.

Schiebe-Ramsch als Spiegel des Lebens: Die Gegner dazu bringen, solange zu tauchen, bis der Durchmarsch unaufhaltsam ist.

Mein derzeitiger Schleuderküchen-Favorit: türkisches Sandwich. Vollkornbrötchen aufgeschnitten leicht antoasten, mit Quark-Chili-Paste bestreichen, darauf längs in Scheiben geschnittene angebratene Parmak-Sucuk und Scheiben von Tomate und roter Zwiebel. Dazu noch so ’ne lange, schmale hellgrüne Pfefferschote… Hammer.

Dass ich Frau Peitz vom Tagesspiegel mal loben würde, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Aber der Satz „‚Unsere Mütter, unsere Väter‘ macht aus Schweinen arme Schweine.“ bringt Serie und Sachverhalt beispielhaft auf den Punkt.

Die hierzulande beliebteste Endlos-Schleife: Sowie jemand etwas geleistet hat, das ihn aus der Masse Mensch heraushebt, kommt die Masse brüllend angegurkt, um zu fordern, dass die- oder derjenige sich gefälligst anzupassen habe.

Und was die wenigsten wissen: alkoholfreie Getränke schmecken oft banal und sorgen für trübe Stimmung. Diese Mängel kann man durch Zugabe von Spirituosen unkompliziert beheben. Bei der Spirituosenauswahl kann Mut zum Experiment Wunder wirken.

 

 

Splitterbrötchen (CCCII)

Was nicht jeder weiß: Man kann bei der Teezubereitung durchaus auf Teeblätter verzichten, erhält dann jedoch lediglich heißes Wasser.

Verwirrendes Bad Bevensen! Nirgendwo findet man Informationen über den größten Sohn der Stadt, Jod Sole. Dabei muss der Mann Großes geleistet haben, sonst hätte man ja nicht die Therme nach ihm benannt.

Findige Berliner Immobiliengesellschaften bieten jetzt „Highspeed Gewerberäume“ an. Träume werden war: im Bürostuhl durch die Schallmauer.

Am Hochzeitstag den bisherigen kulinarischen Höhepunkt des Jahres erlebt: Stint, gebraten. Riesen-Delikatesse. Muss ab jetzt wohl zur Saison eine Stint-Reise an die Elbe in die Jahresplanung aufnehmen.

Und den Sommerurlaub gebucht. Regelmäßige Netzecken-Besucher und Splitterwörtchen-Leser werden überrascht sein: nach langem, intensiven und durchaus schmerzhaftem Ringen haben die geduldigste Gemahlin von allen und ich uns schwersten Herzens entschlossen, in diesem Jahr etwas vollkommen neues zu wagen. Wir werden erst im August nach Podersdorf fahren.

 

Splitterbrötchen (CCCI)

Wir wurden Zeuge einer Jahrhundert-Headline, die niemand anders als die BILD kreieren konnte: „Totilas bei Sex mit Phantom-Stute verletzt“.

Wer von „Furor“ auf „Furie“ schließt, hat einen sehr großen Willen, beleidigt zu werden.

Eigentlich hab ich ja was  gegen Allgemeinplätze wie „Die Deutschen können dies nicht…“ und „Die Deutschen können das nicht…“ Aber Gelassenheit fällt den Deutschen wirklich schwer.

Freigiebigkeit mit Süßigkeiten ist ein probates Mittel, sich ins Langzeitgedächtnis junger Menschen zu schmuggeln. Ich zum Beispiel denke immer noch mit Dankbarkeit an meine liebe Großtante Emma. Und an die rote Blechschachtel.

Was am Älterwerden mit Abstand am meisten nervt: Die stetig wachsende Zahl von Leuten, die einem eine Krankheit einreden wollen.

Natürlich will sich niemand auf seinen Lorbeeren ausruhen, nicht wahr, Herr Diekmann? Wir warten auf: „Neues von der Totilas-Affäre: Jetzt spricht die Phantom-Stute!“

Splitterbrötchen (CCC)

Diese Jubiläumsausgabe der Splitterbrötchen ist aus naheliegenden Gründen dem Berliner Filmproduzenten Artur Brauner gewidmet.

Ich selbst hatte übrigens einmal einen Drehtag bei einer Brauner-Produktion. Dabei konnte ich seinen berüchtigten Geiz sein außerordentliches Genie bei der Kostenkontrolle kennenlernen. Dreimal rief  Brauner am Drehort an und verlangte den Regisseur zu sprechen, um sicherzustellen, dass zwei Kollegen und ich bis 11 Uhr 30 abgedreht waren. Damit er uns nicht das Mittagessen bezahlen musste.

Ansonsten sind die geduldigste Gemahlin von allen und ich ganz schlecht mit Jubiläen. Deshalb haben wir’s auch diese Woche verpasst, unser Einjähriges in Friedenau zu feiern. Doch, ist schon ein Jahr her, dass wir Kreuzberg verlassen haben.

Ein Jahr hatte ich also Zeit, um zum dicken (ha!) Freund meines Induktionsherds zu werden. Hätte nie gedacht, dass ich Gas überhaupt nicht mehr vermissen würde.

Diese Woche dann noch die erste Einheit Reha-Sport. Nee, Gymnastik ist nicht meins und wird’s nie werden. Ich brauch frische Luft, Ball und Gegner. Ersatzweise ein Fahrrad.

Zum Schluss noch meine liebste Atze-Brauner-Anekdote, keine Ahnung, ob sie wahr ist. In den Sechzigern soll die BZ eine Umfrage unter Prominentenkindern veröffentlicht haben: „Was würdest du machen, wenn Papi dir hundert Mark schenkt?“ Das Brauner-Kind hob sich wohltuend vom Promi-Einheitsbrei (Fahrrad kaufen, Eis essen gehen) ab. Auf die Frage, was es mit den von Papi geschenkten hundert Mark machen würde, antwortete es freimütig: „Nachzählen!“

 

Splitterbrötchen (CCXCIX)

Mit dem Titel der Woche beglückte uns der NDR: „Die spannendsten Seen Norddeutschlands“ begeistert. Mit angehaltenem Atem warten wir auf „Nervenkitzel Lacktrocknen“.

Entsetzt festgestellt, dass ich ab CCXCI die Splitterbrötchen-Nummerierung versaubeutelt habe. Römische Ziffern zähneknirschend korrigiert. Unlogisch, das!

Wo man hinguckt: Menschen, die verzweifelt bemüht sind, alles richtig zu machen. Wie langweilig.

Illustrierten-Überschrift: „Jetzt spricht Markus Lanz!“ Wie war das nochmal mit „Teilen Sie etwas neues mit“?

Die Säulen, auf denen die Berliner Supermarkt-Gourmandise ruht: „Rossbiff“ und „Kammbär“.

 

 

Splitterbrötchen (CCXCVIII)

Wehmut, als mir alte Theaterfotos in die Hände fielen. Man war doch mal ein gutaussehender junger Mann. Der Zahn der Zeit ist ein Arschloch.

Schon zweimal hier in Berlin auf der Straße bzw. in der S-Bahn beobachtet: Eltern, die ihre Kinder vom Musikunterricht abholen oder dahin bringen und den lieben Kleinen das Instrument tragen. Liebe Eltern, das mag ja gut gemeint sein, geht aber gar nicht. Machen Sie Ihren faulen Kackbratzen bitte klar, dass das Erlernen eines Musikinstruments ein verdammtes Privileg ist. Und dass es zum Musizieren dazu gehört, sich selbst um das Instrument zu kümmern, punktum. Kann ja wohl nicht wahr sein…

Und, wo wir gerade beim Thema sind: Es ist überhaupt keine gute Idee, ständig parat zu stehen, um sämtliche Probleme, die der Nachwuchs haben könnte, aus dem Weg zu räumen. Es gibt keine bessere Vorbereitung aufs Erwachsenendasein als zu lernen, wie man selber Probleme löst. Das geht nur „by doing“.

Den neuesten Lebensmittelskandal verstehe ich nun überhaupt nicht mehr. Menschen, die 400g Lasagne für 1,69 Euro kaufen, sollten doch angenehm überrascht sein, dass da immerhin Pferdefleisch drin ist.

Käme ein anderer Sender als der RBB auf die Idee, einen ausgestopften Eisbären in den Mittelpunkt einer Live-Übertragung zu stellen? Wohl eher nicht.