Splitterbrötchen (CCCXXVII)

Schon erstaunlich, dass ich nie von Lesern darauf aufmerksam gemacht werden, wenn mir bei der Nummerierung der Splitterbrötchen mal ein Fehler unterläuft. Was übrigens gar nicht so selten vorkommt. Ich könnte ja mal völlig willkürliche Zahlen…

War nur Spaß! War nur Spaß!

Verstörendes Produkt bei Aldi. „Lasagne-Suppe mit Wellennudeln“. In der Dose. Wo sonst?

Wenn man lange genug wartet, kann es vielleicht passieren, dass Resignation und Überdruss sich zum stabilen Fundament einer Barrikade vermischen.

 

 

Splitterbrötchen (CCCXXVI)

Sportlich habe ich derzeit gegen den FC Bayern München nichts, aber auch gar nichts einzuwenden. Triple gewonnen, Super-Kader, besten Trainer der Welt engagiert, der total lässig auf Weltmann macht…  Trotzdem: gelegentlich, wenn keiner guckt, sehne ich mich nach den Zeiten zurück, in denen unser Trainer nach Titelgewinnen die Lobby vom Kempinski-Hotel auf allen Vieren betrat, um dort mit Orangen nach dem Wandrelief zu werfen. Vermutlich bin ich pervers.

Das hab ich hunderte Mal gemacht, das ist mittlerweile eine fließende Bewegung von katzenhafter Eleganz: Schublade auf, Korkenzieher raus, Schublade zu, Eisschrank auf, Weinflasche raus, Schublade auf, Korkenzieher rein, Schublade zu, Schraubverschluss auf.

Gewissensfrage: Darf ein überzeugter Veganer sich einer Salami-Taktik bedienen?

Den Tweet der Woche verdanken wir John Honigmanoever:

 

Als ich geboren wurde, hatten in diesem Land gruselige alte Männer das Sagen. Ich habe mir damals geschworen, kein gruseliger alter Mann zu werden. Ist manchmal gar nicht leicht, den Schwur einzuhalten.

Wann genau wurde eigentlich “Muss richtig Scheiße aussehen“ zur ästhetischen Prämisse für einen deutschen Fernsehfilm?

Print scheint in die Knie zu gehen. In dieser Woche habe ich im Schnitt 2 Cold Calls von Druckereien pro Tag bekommen.

Splitterbrötchen (CCCXXV)

Ich kann mittlerweile „Ich mag keine Cold Calls“ mit einem derart latent gefährlichen Unterton sagen, dass sie sofort auflegen.

Für die charmanteste Klassifizierung der Woche danke ich Leo Fischer, der in der Jüdischen Allgemeinen Günter Grass trefflich als „Schmunzellyriker“ einsortierte.

Inzwischen gibt es Museen, die jünger sind als ich. Museen!

Mehrfach daran gescheitert, dass Wort „Singlesein“ unfallfrei zu lesen. „Wie jetzt? Singen und Lesen in… Ja, wo denn?“

Die Mahlzeit der Woche: Tafelspitz mit Grie Soß‘. Warum mach ich das nicht öfter?

Es könnte sein, dass der Obama-Administration gelingt, woran selbst Bush jr. scheiterte: mich zum Anti-Amerikanisten zu machen.

 

 

Splitterbrötchen (CCCXXIV)

Den Text der Woche schuf ein unbekannter Groupon-Mitarbeiter: „Wenn jemand sehr sensibel ist, sagt man, er sei zart besaitet. Wie gut, dass es bei einem Besuch im XXX keine Rolle spielt, wie sehr oder wenig empfindsam man ist. Eines steht jedoch fest: die Köstlichkeiten, die mit unserem heutigen Groupon ihren Weg auf den Teller finden, sind so zart, dass die Saiten einer spanischen Gitarre vor Begeisterung alles andere als zurückhaltend schwingen würden.“

Schönen Salat zur Lammkeule improvisiert: grüne Bohnen, weiße Riesenbohnen, Tomaten, rote Zwiebeln, rote Paprika (gebraten), zerzupfte Romana-Blätter, dazu eine Sauce aus pürierten weißen Bohnen, Knoblauch, Weißweinessig und Olivenöl. Beim nächsten Mal lass ich die Salatblätter weg.

Faszination Orthographie: Heißwasser-Beuler.

Warum besteht das IOC darauf, Olympische Spiele an Länder zu vergeben, die sich der Zivilisation verweigern?

Splitterbrötchen (CCCXXIII)

Vergebliche Suche nach einer sprachlich und politisch korrekten weiblichen Form des Wortes „Sündenbock“. „Sündenzicke“ klingt von vornherein problematisch, der Vorschlag „Sündengeiß“ ist mir zu alpin. Die Suche dauert an.

Den Lapsus der Woche leistete sich der Axel Springer Verlag: man versteckte einen Kommentar von Hugo Müller-Vogg hinter der Bild-Plus-Bezahlschranke. Das KANN nicht klappen, wenn überhaupt, dann funktioniert’s nur umgekehrt: Man müsste die Leute dafür bezahlen, dass sie den vorhersehbaren Quatsch von Müller-Vogg lesen.

Merkwürdig, dass ich bei den Pokal-Auftritten von Hertha BSC immer an Anke Huber denken muss.

Die Zahl der Menschen, die es nicht ertragen, wenn der Lebensentwurf anderer Menschen von ihrem eigenen abweicht, scheint ständig zu steigen. Das finde ich ein wenig bedenklich.

Wurde hierzulande eigentlich schon mal was verändert, ohne dass gleichzeitig der Untergang des Abendlandes ausgerufen wurde?

Splitterbrötchen (CCCXXII)

Für den Spam-Kommentar der Woche bedanke ich mich bei FAG/INA Spherical Roller bearings, das ist richtig großes Tennis: „De – Larch tried to sidestep as if his attacker were a slow moving bus he could easily dodge, but the oncoming werewolf veered to match him. I guess that in light of everything that I had told her about him, she was just as shocked as I was. Just as the cold defeats summer, so time defeats love.“

Sagen Sie mal, Diekmann, muss ich mir angesichts einer sauschlappen Headline wie „Staatsanwalt fegt Kokain-Verdacht vom Tisch“ ernsthaft Sorgen um Ihren Laden machen? Normalerweise wäre „Staatsanwalt verschnupft: Kokain-Verdacht ist Schnee von gestern“ ja wohl das mindeste gewesen, was ich von einem Qualitätsblatt wie der BILD erwarten darf.

„Nur der Wahrheit verpflichtet“ ist der neue Claim des SPIEGEL Nun ja, dass man seine Leser nicht anlügt, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Deshalb habe ich vor ca. einem halben Jahr auch aufgehört, mir den SPIEGEL zu kaufen, u. a. wegen der einseitigen, Fakten verdrehende, Fakten ausblendenden und verlogenen Berichterstattung  durch Beate Lakotta über den Fall Gustl Mollath und der Nicht-Reaktion der SPIEGEL-Redaktion auf hunderte Leserkommentare, die Frau Lakotta z. T. gravierende Unrichtigkeiten nachgewiesen haben. Ich mag nicht spekulieren, aber hier scheinen mir noch andere Verpflichtungen im Spiel zu sein.

Nur mal so ins Unreine gedacht: Wenn das Leistungsschutzrecht nun nur ein Verkaufsargument war, um der Funke-Gruppe die maroden Springer-Blätter schmackhaft zu machen? „Na klar, mit Hör Zu und Co. geht’s bergab, aber wir boxen euch mit unserem Kampagnen-Knowhow und unserer Lobby-Power ein Gesetz durch, mit dem ihr Google richtig melken könnt, das rechnet sich dann für euch!“?.

Die Vorfreude auf den Podersdorf-Urlaub 2014 hat begonnen.

 

Splitterbrötchen (CCCXXI)

Mein Favorit wäre ja „Prince Rocco“ gewesen. Die Windsors kriegen einfach nicht die Kurve ins Volkstümliche.

Soziale Netzwerke sind eine wunderbare Möglichkeit, mit anderen Menschen zu diskutieren und sich öffentlich zu äußern. Wer empfiehlt, auf Facebook, Twitter etc. zu verzichten, weil sie überwacht werden, empfiehlt also allen Ernstes „Schnauze halten“ als wirkungsvollen Protest gegen Amok laufende Regierungen.

Die Zahl der Menschen, die die vollkommen banale Fähigkeit der Assoziation mit künstlerischem Talent verwechseln, wächst besorgniserregend.

Und das blamabelste in Sachen Internetabgreifen durch fremde Geheimdienste ist das Schweigen der F.D.P. Diese Partei hat offenbar kein Interesse mehr an der Wahrung grundlegender Bürgerrechte. Ich hatte als junger Mensch das große Glück, Karl-Hermann Flach kennenlernen und kurz mit ihm reden zu können. Eine prägende Begegnung. Menschen, die heute dem Vorstand der Partei angehören, deren Generalsekretär er einmal war, besudeln durch ihr (Nicht-) Handeln das Lebenswerk dieses herausragenden Mannes.

This Kartoffelkloß is the pfanniest thing I have ever seen.

Über die eigentliche Gefahr wird noch viel zu wenig gesprochen: Richtig gefährlich ist die Idee, die hinter dieser ganzen Internet-Abschnorchelei steht, nämlich, dass man Böses verhindern kann, indem man alle Menschen beobachtet und versucht, die Bösen zu erkennen, bevor sie Böses tun. Wenn diese Idee erstmal allgemein akzeptabel ist, eröffnet sie ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten, die ausnahmslos alle in die ganz große Scheiße führen.

Den schönsten Satz der Woche fand ich in einer Bayreuth-Kritik von Eleonore Büning in der FAZ: „Frau Merkel trägt etwas Hochgeschlossenes in  Mittelblau.“

Splitterbrötchen (CCCXX)

Ein paar Handvoll Champignons waren übrig geblieben, mit denen ich so unmittelbar nichts anfangen konnte, da hab ich kurzerhand eine Champignoncreme-Suppe gekocht, kurz gekostet und… wirklich gut! Ausgezeichnetes Süppchen, wieso hab ich das eine halbe Ewigkeit lang nicht gemacht?

„Gesten“ von Politikern sind ungefähr so hilfreich wie weiche Fahrradsättel.

Man zeige einem Menschen eine komplizierte elektronische Schaltung und sage ihm, was diese Schaltung macht. Er wird die Achseln zucken und sagen „Mag sein, ich verstehe davon nichts.“ Man zeige dem gleichen Menschen ein modernes Gemälde und sage ihm, dass das Kunst ist. Er wird keine Hundertstelsekunde zögern und widersprechen: „Sowas ist doch keine Kunst!“

Ich habe darüber nachgedacht, was wohl schädlicher ist: Fanatismus oder Gleichgültigkeit. Mein Nachdenken dauerte lange, ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Mittlerweile halte ich Unentschlossenheit für am schädlichsten.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCCXIX)

Netzeckenintern: die Rubrik „Um die fuffzich…“ geschlossen und neu „Auf die sechzich zu“ eingerichtet. Werde dieses Jahr 57.  Tjaja. Ich sach dazu ma nix.

Ignoranz ist die reinste Form der Bequemlichkeit.

Fa. Thalia offerierte mir „prickelnde ebook-Neuheiten für knisternde Sommerabende“. Sprache als buchhändlerische Kernkompetenz.

Eine BILD-Headline, die mich inhaltlich vollkommen überforderte: „Wie gut sind Billigzähne von Tchibo?“

Angesichts des unerträglich windelweichen Verhaltens von Frau Merkel den USA und den Briten gegenüber habe ich mich doch glatt nach Rot/Grün zurückgesehnt. Bei Fischer und Schröder war mehr Haltung. Und mehr Showmanship.

Und dann fragen wir bohrend nach: In wie weit waren Firmen wie Meica und Deutschländer beteiligt, dass ein Würstchen Bundesinnenminister werden konnte?

Man sollte immer daran denken, niemals die Worte „immer“ und „niemals“ zu benutzen.

Und Petra Hildebrandt ist es auf Twitter gelungen, die Verzweiflung an der modernen Informationsgesellschaft in sieben prägnanten Worten auszudrücken: „Mein Wetterwidget behauptet ich sei in Bensheim.“

 

 

Splitterbrötchen (CCCXVIII)

Mit der Erklärung der Woche beglückte uns Alt-US-Präsident George W. Bush, der logisch, einfach und klar sagte, dass an dem ganzen Überwachungskram nix Schlimmes dran sein könne, weil er sichergestellt hat, dass bei allen Aktivitäten der NSA die bürgerlichen Freiheiten garantiert unangetastet bleiben. So beruhigt habe ich mich lange nicht gefühlt.

Ich weiß, dass Tennis hierzulande mittlerweile eine Randsportart ist, aber das geringe Interesse am Wimbledon-Damen-Endspiel mit Sabine Lisicki hat mich doch ein wenig verblüfft. Zwei von drei Läden mit SKY in meiner näheren Umgebung hatten gar nicht erst aufgemacht, im dritten gab es jede Menge freie Plätze. Wieso die ARD also SKY ein Angebot für eine Live-Übertragung gemacht hat, entgeht mir daher komplett.

Und dann fielen mir mal wieder die schönen Worte des Schachgroßmeisters Savielly Tartakower ein: „Die Fehler sind ja da, sie müssen nur gemacht werden.“

Warum, zum Teufel, ist eigentlich der Irish Coffee total aus der Mode gekommen? Ist doch wunderbares Zeugs!

Mein kulinarischer Wochenhöhepunkt: das erste Berliner Schnitzel meines Lebens. Für die Uneingeweihten: das ist panierter Euter. Für die Interessierten: äußerst geringer Eigengeschmack, ganz leichter milchig-käsig adstringierender Nachklang. Und ist sehr weich, kein Wunder, wird ja vor dem Ausbacken stundenlang gekocht. Fazit: kann man mal probieren, muss man nicht unbedingt wiederholen.

Und doch, Spam-Betreffzeilen wie „Besser als Schlussverkauf: 70% auf alles!“ haben in ihrer Blödigkeit schon wieder einen gewissen Charme.