Der macht sie alle nackig!

Letzte Woche gab es im Umfeld der Insolvenz einer Firma für Unterhaltungs-Elektronik Aufregung in der Sparkasse Düsseldorf. Vorstandschef Heinz-Martin H. wurde beurlaubt, weil er angeblich einen Flachbildschirm von Pleitier Franjo P. angenommen hatte. Im Gegenzug soll Heinz-Martin H. einen Millionenkredit bewilligt haben…
Mooooment mal. Man schenkt einem Sparkassen-Sultan einen popligen Flachbildschirm aus dem Media-Markt, und schon schießt er einem Zaster ohne Ende aufs Giro? Doch wohl nur im Traum. Da musste mehr dahinter stecken. Also schwärmten die Netzecken-Rechercheure aus. Alsbald lag ein hochbrisantes Gesprächsprotokoll auf meinem Schreibtisch, dass ich hier im Wortlaut veröffentliche:
„Franjo, alte Nase! Schön, dich zu sehen!“
„Heinz-Martin, wie isset? Alles frisch?“
„Immer laufen lassen, das ist meine Devise, immer laufen lassen, das Pils, das Sperma, die Kredite… hahahaha!“
„Kredite sind das Stichwort, das mich her führt, Heinz-Martin!“
„Franjo, das trifft mich unerwartet wie ein Schock. Du wirst doch nicht deine Kredite zurückzahlen wollen?“
„Heinz-Martin, seh ich aus wie einer dieser konservativen Idioten? ‚Kredite zurückzahlen‘ ist doch was für Retro-Hirnis! Ich will den Markt aggressiv angreifen, und dafür müsst Ihr Sparkaassen-Klempner frischen Zaster nachschießen.“
„Das könnte einen Tick problematisch werden, Franjo. Dein Limit steht hochtourig auf Anschlag, ich weiß nicht, wie ich unseren Vorstand überzeugen könnte…“
„Ich hab ein neues Produkt in der Pipeline, damit werd ich den Weltmarkt aufrollen.“
„Das spricht man nicht so, wie man’s schreibt, Franjo. Es heißt ‚Paiplain‘.“
„Meinetwegen. Damit werd ich aber trotzdem Weltmarktführer.“
„Damit? Mit diesem Flachbildschirm?“
„Das ist nicht nur ein Flachbildschirm, Heinz-Martin. Pass mal auf…“
„Was soll sein, Franjo? Das ist ’ne olle Peep-Folge mit Verona, die habt ihr mir ja mal alle auf DVD geschenkt. Im goldenen Schuber, sehr stylish…“
„Dann guck mal… jetzt!“
„Boah, eayh… Jetzt ist Verona ja nackig! Das war aber in der alten Peep-Folge nicht.“
„Nee, das macht dieser Flachbildschirm.“
„Wie? Der Flachbildschirm macht Verona nackig?“
„Nicht nur Verona…“
„Wie jetzt…“
„Wir haben einen ultra-schnellen Grafik-Chip in den Flachbildschirm integriert, der auf Knopfdruck die Kleidung von allen Frauen auf dem Bildschirm wegrechnet.“
„Wie? Du bringst in echt einen Fernseher auf den Markt, der sie alle nackig macht?“
„Wenn ich’s dir doch sage, Heinz-Martin. Hier, ich mach’s nochmal, schau… die Verona…“
„Boaaah! Das sind ja Mörderhupen! Entschuldige, Franjo, du bist ja mit ihr verheiratet… hatte ich ganz vergessen.“
„Null problemo, Heinz-Martin. Ich weiß doch, wie Verönchen auf andere Kerle wirkt. Und, wie isset jetzt mit den Moppen…“
„Ich bitte dich, Franjo, mit so einem Produkt in der Hinterhand kannst du natürlich über jeden Betrag verfügen. Wieviel sollen’s denn sein? 5 Mio? 10 Mio?“
„Mit 5 komm ich erstmal hin, aber ich solle Verönchen noch ein paar Klunkern kaufen… gib mir doch die 10 Mios, Heinz-Martin. Wenn’s recht ist.“
„Türlich ist recht, Franjo, alter Schlawiner. Kredite müssen laufen, wie Pils und Sperma… hahahahaha! Sach ma, jetzt musst du mir aber auch ’n Gefallen tun. Den Prototypen da, den Flachbildschirm, der sie alle nackig macht… darf ich den behalten?“
„Uh. Öh… natürlich, Heinz-Martin. Allerdings… der Prototyp funktioniert zur Zeit nur zusammen mit diesem DVD-Spieler und der DVD dadrin.“
„Wie jetzt? Der Bildschirm hat Verona gar nicht nackig gemacht? Das war ’n Video?“
„Natürlich war das ’n Video, Heinz-Martin! Hältst du mich für bekloppt? Wenn der Grafikchip schon fertig wäre, dann bräuchte ich ja deinen Kredit nicht. Capisce? Oder soll ich zu ’ner anderen Bank?“
„Alles, nur das nicht! Sorry, Franjo. Du hast ja recht. Kann ja noch nicht fertig sein, der Chip, wenn du den Kredit brauchst. Logisch. Blöd von mir. Entschuldige. Nicht zu ’ner anderen Bank gehen, bitte…“
„Schon vergessen, alter Schwede. Den Flachbildschirm darfste trotzdem behalten.“
„Super, Franjo. Danke, Franjo. Sehr großzügig. Und grüß Verona von mir, ja?“
[tags]Insolvenz, Korruption, Franjo, Flachbildschirm, Verona, Denkinsuffizienz, Ungeheuer![/tags]

Splitterbrötchen (XXXVI)

Der Preis für den besten Spitznamen der Woche geht an den kicker, der mit der fantastischen Headline „Torlos-Agali steht auf der Kippe“ für den Kickstart in die Woche sorgte.

Selbstgebackenes Brot, gerade noch warm aufgeschnitten, Stückchen richtige Butter (nicht den Euphemismus aus dem Kühlregal) drauf, Körnchen Salz, Gläschen ländlicher Merlot… die Papillen lassen sich auch mit ganz einfachen Argumenten überzeugen.

Persönliches Highlight der Woche: Auf zoomer.de wird einer meiner Kommentare über eine sogenannte „Meinungsmacherin“ gelöscht. Dabei hatte ich lediglich das zitiert, was der überaus geschätzte Eckard Henscheid mal über Heinrich Böll gesagt hat.

Seit ich den Beitrag über den Wahlwerbespot der Hamburger FDP in die Netzecke gestellt habe, bringt Fa. Google hier eine erstaunliche Zahl von Besuchern vorbei, die nach „Hinnerk Fock schwul“ gesucht haben.

Dass plötzlich „Wortbrecher“ und „Stratege“ Synonyme sein sollen, geht mir nicht ein.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Making of Wahlwerbespot

Kurz vor dem Dreh eines der ästhetisch bahnbrechendsten Wahlwerbespots aller Zeiten, in einem Hamburger Aufnahmestudio. Anwesend u. a. Top-Schauspieler Sky du Mont und FDP-Gigant Hinnerk Fock.

„Tut mir leid, hier dürfen Sie nicht durch, hier finden wichtige Dreharbeiten statt.“
„Entschuldigung, aber ich nehme an den Dreharbeiten teil. Ich MUSS hier durch.“
„Kann ja jeder sagen. Wie heißen wir denn?“
„Wie Sie heißen, weiss ich natürlich nicht. ICH heisse Sky du Mont.“
„Skai-Dynamo? Sind Sie einer von diesen Hiphoppern? Dafür sehen Sie aber ganz schön alt aus…“
„Sagen Sie einfach Herrn Fock, dass Sky du Mont da ist. Er hat mich engagiert.“
„Focki! Hier ist so’n abgetakelter Schönling, der behauptet, er würde in dem Spot mitspielen!“
„Herr du Mont, wie schön, dass Sie da sind. Ich bin ein ganz großer Fan von Ihnen.“
„Herr Fock, ich…“
„Ich hab Sie damals in ‚S.O.S. Barracuda‘ gesehen, das war meine Lieblingsserie. Sagen Sie, könnten Sie mir wohl ein Autogramm von Naddel besorgen?“
„Bitte?“
„Naddel, die Ex vom Bohlen mit den dicken Möpsen. Die hat auch in ‚S.O.S. Barracuda‘ mitgespielt. Auf die fahr ich total ab.“
„Ich versuche, an das Autogramm zu denken, wenn ich Frau Farraq das nächste Mal sehe. Herr Fock…“
„Sagen Sie Focki zu mir!“
„Bitte?“
„Alle meine Freunde nennen mich Focki. Ich denke, das macht man so im Showbusiness. Dass man sich beim Spitznamen nennt. Darf ich Sie Monty nennen?“
„Nein, Herr Fock!“
„Oh. Schade.“
„Bevor wir mit Drehen anfangen, müssen wir nochmal das Drehbuch durchgehen. Da sind ein paar Sachen drin, die wir un-be-dingt ändern sollten…“
„So? Welche denn?“
„Also, die ‚knuffigen Zeichentrickfilmfiguren‘. Entschuldigung, das sagt doch kein Mensch, ‚knuffig‘ das ist sowas von retro, da rollen sich einem ja die Zehennägel auf…“
„Ah, ja. Noch was?“
„Hmm, ja. Dieser Schlußgag… das Sie mir eine Fliege schenken… das ist dermaßen konstruiert, gewollt und überhaupt nicht witzig… fürchterlich. Das muss raus.“
„So. Die Fliege raus.“
„Und das wir uns ständig die Hand schütteln, uns anlächeln und in die Augen schauen… Herr Fock, das ist so schwul, dafür bekommen wir ein Angebot, die Fernwärme für die Hamburger Innenstadt zu liefern, aber keine Wählerstimme. Sagen Sie, wer hat das Drehbuch für diesen Quatsch eigentlich geschrieben?“
„Das war ich.“
„Oh. Oha.“
„Und jetzt wollen wir mal einiges klarstellen. Wenn Sie Ihre nicht unbeträchtliche Gage haben wollen, bleiben die ‚knuffigen Zeichentrickfilmfiguren‘ drin. Zufällig ist ‚knuffig‘ eins meiner Lieblingswörter, ich benutze es dauernd und bisher hat sich noch niemand beklagt.“
„Natürlich nicht. Warum auch?“
„Auch die Fliege bleibt drin. Ich schenke allen meinen Freunden Fliegen, und jeder, ausnahmslos jeder hat sich bisher über die Fliege gefreut, die ich für ihn ausgesucht habe.“
„Klar. Kann ich zwei haben?“
„Und natürlich werden wir uns die Hand geben und in die Augen schauen. Das mache ich seit Jahren mit meinen Wählern so und jeder einzelne von Ihnen war begeistert. Verstehen Sie? Be-gei-stert!“
„Natürlich, Herr Fock. Selbstverständlich Herr Fock. Noch was?“
„Nur eins noch: Ich sag ab sofort ‚Monty‘ zu Ihnen, und Sie nennen mich ‚Focki‘. Oder haben Sie damit ein Problem, MONTY?“
„Nein, FOCKI!“
„Dann ist ja gut. Dann drehen wir jetzt. Wir können!“
Und dann kam DAS:
[youtube]http://de.youtube.com/watch?v=hYIxj0857yI[/youtube]

Die Netzecke bedankt sich bei ihren Hamburger Informanten, ohne die wir diese brisanten Hintergrundinformationen nicht hätten aufdecken können.

[tags]Hamburg, FDP, Wahl, Sky du Mont, Hinnerk Fock, talentfrei, Denkinsuffizienz, Ungeheuer[/tags]

Sorge um Effjott

Mensch, Effjott, seit ich Ihren Brief an Frau Ypsilanti gelesen hab, mach ich mir ernsthaft Sorgen um Sie. Natürlich nicht wegen Sätzen wie

Frau Ypsilanti, Sie müssen sich an Ihre Wahlversprechen halten, weil sonst das Bescheißen überhandnimmt. Der Diebstahl am Arbeitsplatz, die Steuerhinterziehung.

Abrupte Gedankensprünge, Zusammenhänge herstellen, wo keine sind und die Schuld bei denen suchen, die nix damit zutun haben… das ist ja das übliche Programm, business as usual, das große Tennis, das wir von einem Strategen wie Ihnen erwarten, aber wenn ich lese, dass Sie

Wenn Lügen in Deutschland schick werden, dann haben wir einen nationalen Notstand.

schreiben, beschleicht mich – und sicherlich Millionen Ihrer treuen Fans – doch ein ganz mulmiges Gefühl. Dann fragen wir uns bang, ob Sie noch wissen, in welcher Zeitung Ihre Kolumne erscheint.

[tags]Wagner, Gehirnmissbrauch, BILD, Ungeheuer![/tags]

Das Zumwinkel-Protokoll

Der Fall Klaus Zumwinkel hat mir keine Ruhe gelassen. Mir wollte einfach nicht in den Kopf, dass ein Mann, der bei seinem Handeln derart die Tugendhaftigkeit in den Vordergrund stellt und selbst einen dermaßen frugalen Lebensstil pflegt, dass er noch nicht mal den Steuerfreibertrag für Kleinsparer erreicht, Auslöser des größten Steuerskandals in der deutschen Geschichte wird. Und mein Glaube an Klaus Zumwinkels Integrität wurde belohnt. Anonyme Informanten haben ein Telefonprotokoll aus einem toten Briefkasten der Telekom geborgen und mir zugespielt, aus dem eindeutig hervor geht, dass Klaus Zumwinkel nicht Täter sondern Opfer von gewissenlosen Telefonmarketing-Praktiken geworden ist. Ich veröffentliche nachfolgend das hochbrisante Transkript im Wortlaut:

„Zumwinkel, hallo!“
„Tach, Herr Zumwinkel, hier Dubiosius von der LGT-Bank Liechtenstein, haben Sie mal ’ne Minute?“
„Eigentlich nicht, lieber Herr Dubiosius, das tut mir leid. Ich muss schnell zur Postbank, die Überweisungen für wohltätige Zwecke abgeben…“
„Tja, eigentlich wollte ich mit Ihnen ein paar zukunftsträchtige Anlagestrategien…“
„Anlagestrategien? Ich fürchte, das kommt für mich nicht in Frage. Ich lege mein Geld nicht an.“
„Bitte? Sie… Sie sind doch DER Zumwinkel? Der Post-Oberpropeller? Der Milliarden-Flipper?“
„Nun ja, ich habe die genannte Position inne. Aber wissen Sie, eigentlich bedeutet Geld mir nichts.“
„Entschuldigung, Herr Zumwinkel, aber die Post schießt Ihnen doch jeden Monat reichlich Asche aufs Giro, die ganzen Nebengeräusche von Ihren Aufsichtsrats-Mucken kommen noch dazu… was machen Sie denn mit dem ganzen Zaster?“
„Das spende ich für wohltätige Zwecke. Ich selbst lebe sehr bescheiden, wenn Sie sich mal meine Steuererklärungen angucken, im letzten Jahr bin ich knapp unterm Sparerfreibetrag geblieben, dies Jahr war ich leider knapp drüber…“
„Unglaublich.“
„Wissen Sie, es gibt soviel Armut und Not auf der Welt, da spende ich gern. Und für mich brauch ich ja nichts. Ich hab ’ne Dienstwohnung, mittags ess ich in der Kantine, und abends machen meine Frau und ich uns ein Brot in der Wohnküche…“
„Beknack… bewunderungswürdig. Das bringt mich auf eine Idee: Sagen Sie, wissen Sie, wo in der Welt die Armut und Not am größten ist?“
„Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Afrika? Afghanistan? Wie wollen Sie das bemessen?“
„Die größte Not herrscht bei der LGT-Bank in Liechtenstein.“
„Herr Dubiosius! Wollen Sie mich foppen?“
„Aber nein, Herr Zumwinkel! Der Regierende Fürst von und zu Liechtenstein hat doch die LGT-Bank gegründet, um Not und Armut in der Welt zu lindern. In unseren Geschäftsstatuten steht, dass wir einhundertfünfzig Prozent unseres Gewinns an die Armen und Bedürftigen der Welt spenden müssen.“
„Einhundertfünfzig Prozent? Das geht doch gar nicht! Das ist betriebswirtschaftlicher Irrsinn. Wie ist dieses Statut zustande gekommen?“
„Der Regierende Fürst ist ein großer Philanthrop aber ein miserabler Kopfrechner.“
„Tja. Sowas soll’s geben. Tragisch.“
„Und deshalb sind wir nun auf Spenden angewiesen, um Monat für Monat auf diese 150 Prozent zu kommen.“
„Das hab ich noch nie gehört, dass man einer Bank etwas spenden kann.“
„Eben weil es das nur bei der LGT-Bank gibt. Welche andere Bank schüttet denn 150 Prozent ihres Gewinns an die Bedürftigen aus?“
„Hmmm. Das klingt logisch. Sagen Sie, wie kann man denn Ihrer Bank etwas spenden?“
„Das ist ganz einfach. Sie eröffnen bei uns ein Konto, zahlen darauf den Betrag ein, den Sie spenden wollen, und damit ist der Fall für Sie erledigt.“
„So einfach geht das? Das hätte ich nicht gedacht… “

Und wer hat’s rausgekriegt? Die Liechtensteiner? Die Schweizer? Nein! Die Netzecke!
[tags]Zumwinkel, Raffke, Liechtenstein, LGT-Bank, Steuerhinterziehung, Ungeheuer![/tags]

Und es hat Zoomer gemacht…

Das find ich total super, was Fa. Holtzbrinck da mit Zoomer.de auf die Beine gestellt hat. Ein vollkommen neuartiges Nachrichtenportal für junge Menschen. Und um diese jungen Menschen ganz gezielt anzusprechen, hat man ihnen die Identifikationsfigur gegeben, die sie haben wollen: unseren guten alten Uli „Das Wetter“ Wickert, der in einem mitreißend geschnittenen Videoclip dieses innovative Nachrichtenportal zum Mitmachen erklärt:

Zoomer.de ist das Nachrichtenportal für die Generation von heute …
Nachrichten, die euch wirklich interessieren. Ihr entscheidet, was wichtig ist …
40 Journalisten sorgen – auch mit euren Informationen – für den richtigen Durchblick im weltweiten Wirrwarr. Glaubwürdig. Aktuell. Gegengecheckt.

Das ist wirklich toll. Dass Uli Wickert mich duzt.
Aber Zoomer ist auch ganz okay. Wegen der News. Und dem Durchblick, den man von diesen News bekommt. Seit zwei Stunden ganz oben, daher – laut Wickert – von den Usern ausgewählt, top-wichtig, von 40 Journalisten entwirrt und gegengecheckt:

Zoomer Schlagzeile

[tags]zoomer.de, Holtzbrinck, Nachrichtenportal, grober Unfug, Ungeheuer![/tags]

Die Christel-Wegner-Tapes

Einen nachgerade ungeheuerlichen Verdacht hat Gregor Gysi dem Tagesspiegel gegenüber geäußert, was die bizarren Dinge betrifft, die die niedersächsische Linkspartei-Abgeordnete Christel Wegner gegenüber „Panorama“ über die DDR (supergut), die Mauer (hielt Wessis von der Flucht in den Osten ab) und die Stasi (sollten wir wieder einführen) gesagt hat:

Zugleich äußerte Gysi den Verdacht, der Verfassungsschutz könne auf Wegner Einfluss genommen haben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine DKP-Politikerin einfach so dumm ist, kurz vor der Hamburg-Wahl ein solches Fernseh-Interview zu geben, wohl wissend, dass sie uns damit schaden wird. Dass heißt, sie wollte uns schaden. Und das sieht doch sehr komisch und eher nach Verfassungsschutz aus.“

Ich trau es mich kaum zu schreiben, aber: Gysi hat recht. Der Netzecke ist ein Telefonprotokoll zugespielt worden, dass die Theorie Gysis in allen Punkten bestätigt. Ich veröffentliche im folgenden eine Abschrift:

„Tach, Frau Wegner, hier ist das Bundesamt für Verfassungsschutz, haben Sie mal ’n Moment Zeit?“
„Das Bundesamt für Verfassungsschutz? Das ist ja eine große Ehre für mich. Worum geht’s denn?“
„Tja, das fällt mir jetzt nicht leicht zu sagen, Frau Wegner… sagen Sie, darf ich Sie Christel nennen?“
„Aber gern. Wie heißen denn Sie?“
„Das darf ich Ihnen leider nicht sagen, das ist geheim.“
„Daran hab ich gar nicht gedacht, entschuldigen Sie vielmals.“
„Machen Sie sich keine Vorwürfe, Christel, ich bin es ja, der Sie um einen Gefallen bittet. Christel, sagen Sie, wussten Sie, dass es innerhalb unseres Volkes Menschen gibt, die dem Staat feindlich gegenüberstehen?“
„Ich habe davon gehört, ja, aber ich habe es nicht glauben wollen. Menschen, die nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen… das sprengt meine Vorstellungskraft.“
„Und doch ist es so, das muss ich Ihnen leider sagen. Und er kommt noch schlimmer. Einige Menschen, die Ihnen sehr nahe stehen, Menschen, denen Sie vertrauen, weil sie in der gleichen Partei sind wie Sie, diese Menschen sind Kommunisten!“
„Kommunisten in der Linkspartei? Das kann nicht sein!“
„Wenn ich es Ihnen doch sage. Ich habe eindeutige Beweise. Gregor Gysi zum Beispiel… er war SED-Mitglied.“
„Das glaube ich nicht!“
„Ich kann Ihnen seinen Mitgliedsausweis zeigen. Und Fotos mit Honecker und Mielke…“
„Das hätte ich nie von Gregor gedacht. Wie man sich doch in einem Menschen täuschen kann. Diese Kanaille! Wie konnte er mich nur derart enttäuschen. Ich bin so wütend!“
„Wollen Sie’s ihm heimzahlen?“
„Natürlich! Aber das wird doch nicht gehen. Er ist ein berühmter Politiker, und ich bin nur eine einfache, kleine Landtagsabgeordnete…“
„Ich hätte da vielleicht eine Idee… Sie haben doch nachher dieses Interview mit diesem Politmagazin vom NDR?“
„Mit Panorama? Aber ja, ich will dort sagen, wie sehr wir von der Linkspartei die DDR verabscheuen. Und alles, was dazu gehört hat, Mauer, Stasi… Gottseidank, dass es das alles nicht mehr gibt!“
„Und wenn Sie das Gegenteil sagen? Dass die Mauer eine Supersache war und dass wir sowas wie die Stasi auch heute noch brauchen?“
„Warum sollte ich etwas derart absurdes sagen?“
„Um Gregor Gysi zu schaden. Wenn Sie so einen Quatsch erzählen, dann färbt das doch auf die Linkspartei ab. Dann nimmt keiner mehr ein Stück Brot von Gysi. Die Bürgerschaftswahlen in Hamburg hätte er so gut wie verloren.“
„Fantastisch! Was für ein raffinierter Plan!“
„Jaha, wird sind ziemlich pfiffig, beim Verfassungsschutz.“
„Dann werd ich das so den Herren von Panorama sagen. Die werden sich wundern!“
„Und Gregor Gysi erst…“
„Genau, Herr…“
„Bitte, keine Namen, Christel. Ist doch alles geheim.“
„Entschuldigung. Das hatte ich ganz vergessen.“
„Macht nichts. Dann auf Wiederhören, bis zum nächsten Mal!“
„War nett, mit Ihnen zu plaudern. Und, wenn Sie mal wieder Hilfe brauchen…“
„Dann melde ich mich!“
„Wiederhören! Und nochmals vielen Dank!“

[tags]Linkspartei, Gysi, Wegner, Dummschwatz, Ungeheuer![/tags]

Splitterbrötchen (XXXV)

Naive Journalisten: Glauben die wirklich, dass ein katholischer Erzbischof über die Abschaffung des Zölibats nachdenkt? Das ist doch nicht Robert Zollitzsch, das ist Matthias Richling. Auch wenn er ein wenig zugenommen hat, ich hab ihn sofort erkannt.

Höhepunkt der Woche: Elmar Gunsch (!) am Dienstag Abend als Testosteronbombe bei Sandra Maischberger!.

Mit jedem Tag, den ich älter werde, verstehe ich diese Welt ein bißchen weniger.

Vorgestern geborgt bekommen, gestern durchgelesen, heute weiter empfohlen: Rob Sheffield’s „Love is a Mix Tape„. Wer Pop-Literatur und traurige Schnulzen mag, kann zur Zeit nichts besseres tun, als dieses Buch zur Hand nehmen. Danke, Kirsten!

Interessant, dass alle Welt sich über Senator Sarrazins Zynismus aufregt, wenn er einen Speiseplan für Hartz IV-Empfänger zusammenstellt. Dass er Dreckszeug wie Billigst-Bratwurst und -Leberkäse vom Discounter mit „ausgewogener Ernährung“ verwechselt, fällt augenscheinlich niemandem auf.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Ich hab ’ne Nase…

„Du, Chris, du kannst doch so gut Englisch…“
„Naja, ich komm durch.“
„Was ist’n das für ’ne Redewendung, was meint’n der Engländer, wenn er sagt: ‚I have a nose‘?“
„Wenn er was sagt?“
„I have a nose!“
„Ich hab ’ne Nase!“
„Nein, das kann nicht sein, das muss irgendeine Redewendung sein, das passt sonst nicht.“
„Wo passt das nicht?“
„In dieses Lied, von früher, in Eloise.“
„Da soll ‚I have a nose‘ drin vorkommen? Kann nicht sein.“
„Wenn ich’s dir doch sage…“
Nachgegooglet. Eloise-Lyrics gefunden.
„Sorry, keine Nase im ganzen Song.“
„Kann nicht sein, ich hab’s doch eben noch gehört. I have a nose, I hope she goes…“
„Nein. Es heißt: And heaven knows…“
„Sag ich doch.“

[tags]Eloise, Lyrics, nose, Lost in Translation[/tags]

Über kurz oder Delon

Da regen sich ein paar Kollegen ganz gewaltig auf: „Yvonne Knatter Catterfeld soll Romy Schneider spielen! Geht doch nicht!“ Diese Ablehnung versteh ich nicht so ganz. Eine gewisse Ähnlichkeit ist ja vorhanden, und vielleicht haben die Filmproduzenten ja eine Möglichkeit gefunden, Talent auf Flaschen zu ziehen und per Injektionsspritze zu verabreichen, dann könnte dieser Besetzungscoup hinhauen.

Viel spannender finde ich hingegen die Frage, wer denn in diesem Film Alain Delon spielen soll, nachdem sich Wayne Carpendale durch schlechtes Beziehungs-Timing selbst um diese Paraderolle gebracht hat. Das dürfte nämlich gar nicht einfach werden, einer derart gedopten Frau Catterfeld Paroli zu bieten. Wenn man das Besetzungsgeschick der Produzenten in Betracht zieht („Da brauchen wir einen Kerl mit Statur!“), dann ist die erste Wahl sicherlich auf Ottfried Fischer gefallen. Das dürfte nun wegen Fischers Parkinson-Erkrankung problematisch werden, sicherlich denkt man bei Produzentens jetzt über Alternativen nach: „Wie alt ist der Delon jetzt? Hmmmm… dann könnte das doch der Jopie Heesters machen.“
Mein persönlicher Favorit wäre ja Delon selbst, aber da die Produzenten – genau wie bei Frau Catterfeld – auf Probeaufnahmen bestehen werden, wird da wohl nichts draus. So wird es letztendlich wohl Daniel Küblböck werden. Da passt dann diese Meldung des Tagesspiegel über Daniel Biasini, den Ex von Frau Schneider, voll ins Bild:

Romys letzter Ehemann, Daniel Biasini, soll von den Probeaufnahmen eine Gänsehaut bekommen haben.

Ja. Wer nicht?
[tags]Kino, Yvonne Catterfeld, Romy Schneider, grober Unfug, Ungeheuer![/tags]