Splitterbrötchen (DCCXXVIII)

Also gut, dann war das gestern in Hoffenheim also der Meilenstein, die große Trendwende beim DFB. Ab sofort wird gegen jeglichen Rassismus sofort vorgegangen, ab sofort wird sich bedingungslos jederzeit für die Menschenrechte eingesetzt. Die logische Folge wäre natürlich, 2022 keine Mannschaft nach Qatar zu schicken.

Tagesspiegel, HeadlineTeilt doch bitte etwas Neues mit, liebe Leute vom Tagesspiegel. Natürlich liegt auf der Rückseite des Mondes meterdick Staub, da hat doch noch nie jemand gewischt!

Eine machtvolle Bewegung ist entstanden, und ich zögere nicht, mich ihr anzuschließen: „Sue, du schreist gerade Tee an!muss Zitat des Jahres werden.

Wichtige Info für Krimi-Freunde, die bei Whodunits gerne mitraten: Wenn ein 
Verdächtiger ein iPhone hat, war er’s nicht.

Thema Corona-Virus: Wenn dir jemand Angst einzujagen versucht, will er dich dazu bringen, gehorsam zu sein.

AusternKulinarischer Wochenhöhepunkt: der 2. Besuch im „Les 3 Veuves de Wilmersdorf“1. ICh erfreute mich an Austern und Kalbsnieren.

Kalbsnieren

Splitterbrötchen (DCCXXVII)

Wer hätte denn gedacht, dass es mal zum Problem wird, sich zu besaufen? Dass man regelmäßig einschläft, bevor der Rausch irgendwie spürbar wird?

Mehrfach wurde diese Woche in meinen Timelines auf Artikel 21, Absatz des Grundgesetzes hingewiesen: „Parteien, die nach ihren Zielen ODER NACH DEM VERHALTEN IHRER ANHÄNGER Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.“ Die CDU hat die Wahl: Entweder sie leitet ein Parteiausschlussverfahren gegen Hans-Georg Maaßen ein oder sie macht sich zum Verdachtsfall.

Mein TV-Höhepunkt der Woche (neben der freitäglich neu erscheinenden „Star Trek: Picard“-Folge) war das Bingen der Netflix-Serie „Ich schweige für dich“ (nach einem Buch von Harlan Coben. Das ist geradezu perfide spannend gemacht. Man darf sich jedoch nicht fragen, in welcher deutschen Serie zuletzt eine solche handwerkliche Souveränität demonstriert wurde. Bei der erfolglosen Suche nach einer Antwort besteht die Gefahr, in Depression zu verfallen.

„Nach dem offenbar rechtsradikalen Anschlag im hessischen Hanau stellen sich die Sicherheitsbehörden auf gewaltsame Gegenreaktionen ein. Es wird mit Veranstaltungen der linksextremistischen Szene gegen „Rechts“ gerechnet, ebenso mit Straftaten gegen örtliche Vertreter der AfD, berichtet die „Funke Mediengruppe“ unter Berufung auf Ermittlerkreise.“ heißt es bei tagesschau.de. Interessant. Nach einem rechtsradikal motivierten Amoklauf in Hanau, Anschlägen auf Shisha-Basrs in Döbeln und Stuttgart (alles in einer Woche) muss man natürlich besonders die Linksextremsten beobachten. Klar. Logisch. Natürlich. Warum auch nicht?

Damals und heute

Mitte der 70er Jahre wurde die Bundesrepublik Deutschland von einer linken Terrorgruppe bedroht, der „RAF“ (vormals Baader-Meinhof-Gruppe). Die Reaktion des Staates auf diese Bedrohung war eindeutig. Fahndungsplakate mit den Fotos der Terroristen waren in den Städten plakatiert. An jedem Bahnhof hingen diese Plakate, in Post- und Bankfilialen, an Litfaßsäulen, es gab – meiner Erinnerung nach – keinen öffentlichen Ort, an dem diese Plakate nicht hingen. Die Polizei zeigte große Präsenz. Anlasslose Personenkontrollen waren an der Tagesordnung, ich (damals Anfang 20, langhaarig) wurde mindestens einmal pro Woche von einer Polizeistreife angehalten und musste meinen Ausweis vorzeigen, der umgehend auf Echtheit überprüft wurde. Meistens guckte ich bei diesen Kontrollen in die Mündung einer auf mich gerichteten Waffe. Die Polizisten waren nervös, schließlich konnte jeder ein Terrorist sein. Nachdem Polizisten einen letztlich unschuldigen Terrorverdächtigen durch seine geschlossene Wohnungstür erschossen hatten, hatte ich mir angewöhnt, meinen Ausweis in der Hand zu halten, wenn ich spätabends nach Hause ging. Lieber nicht in die Tasche fassen müssen, sonst denken die Bullen womöglich, ich würde eine Waffe ziehen…

Ich war in dieser Zeit auch viel auf der Autobahn unterwegs. Ich war mit einer Theatergruppe auf Tour, die in Jugendzentren und auf Festival alternatives Kinder- und Jugendtheater machte. Pro Monat spulten wir schonmal ein paar tausend Kilometer ab, alle paar hundert Kilometer setzte sich eine Polizeistreife vor uns, winkte uns heraus, kontrollierte uns, unseren Tourbus und unsere Ladung. Auch an unseren Auftrittsorten suchte die Polizei regelmäßig nach Terrorverdächtigen.

Auch das öffentliche Leben wurde damals von den Bemühungen des Staates dominiert, dem Terror Einhalt zu gebieten. Auf Linke und Liberale wurde öffentlich massiv Druck ausgeübt, sich von linken Terroristen und ihrem Umfeld zu distanzieren. Theater setzten daraufhin geplante Produktionen ab, z. B. von Camus‘ „Die Gerechten“ oder von Schillers „Die Räuber“, weil sie – m. E. zu Unrecht – Nachteile befürchteten. Ein 1977 entstandener Episodenfilm, „Deutschland im Herbst“ beschreibt das durchaus beängstigende Klima sehr gut.

Zur Zeit haben wir ein hierzulande ein massives Problem mit Terror von rechts. Es gibt rassistisch und antisemitisch motivierte Anschläge mit zahlreichen Opfern, politische Morde, rechte Terrornetzwerke wurden aufgehoben… Die Demokratie wird durch rechten Terror bedroht, aktuell werden über 500 politische Straftäter aus der rechten Szene polizeilich gesucht.

Ich habe vor vierzig Jahren miterlebt, mit welcher Härte sich dieser Staat gegen Terroristen wehren konnte. Ich verstehe nicht, warum er es heute nicht tut.

Splitterbrötchen (DCCXXVI)

Am Donnerstag früh eine Scheibe altbackenes Brot weggeworfen und lieber frisches gefrühstückt. Dann den ganzen Tag lang ein schlechtes Gewissen gehabt. Die Erziehungsmethoden der Kriegsgeneration werden heute als archaisch geschmäht, waren aber offensichtlich sehr nachhaltig.

Warum sind ausgerechnet Idioten dermaßen erfinderisch, wenn es um neue Wege geht, einem auf den Zeiger zu gehen?

Das Kommentariat nimmt übel – ganz großes Social-Media-Kino in den Kommentaren bei der hochgeschätzten Frau Kaltmamsell. Wenn jemand nicht auf ungebetene Ratschläge hören möchte 2, wird die Empörungsmaschinerie angeworfen.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt: Nierchen mit Apfel, Champignon und Knoblauch im Restaurant Hugo am Stadtpark Wilmersdorf, ein echter Wohlfühl-Ort.

Wer von anderen verlangt, sich zu ändern, verändert erst mal gar nichts.

Warum regen sich so viele Menschen über die Merz’sche Kandidatur zum CDU-Vorsitzenden auf? Wenn Merz CDU-Vorsitzender wird, werden die linken und linksliberalen Parteien deutlich profitieren. Sehr deutlich.

Zum wichtigsten Ereignis der Woche, der Vorstellung des neuen Bond-Titelsongs: Frau Eilish macht das sehr, sehr gut.

 

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXV)

Es ist ungeheuerlich, die Vorgänge im thüringischen Landtag in die Nähe zum Schmierentheater zu bringen. „Schmierentheater“ waren lt. Wikipedia Wanderbühnen, in denen Schauspieler durch ehrliches Ausüben ihres Handwerks ihren Lebensunterhalt verdienten. Diese ehrbaren Theatermenschen hatten mit den gewissenlosen Karrieristen der politischen Bühne nichts gemein.

Wie man jemanden, der für Faschisten wählbar ist, politisch in der Mitte verorten kann, ist mir ein Rätsel.

Kirk Douglas war wirklich lange dabei. 1949 hat er „Champion“ gedreht, das ultimative Boxer-Drama. Man sehe sich sein Gesicht während der Kämpfe an. Rocky wäre schreiend vor iMidge Kelly geflohen. Noch vor dem >Gong zur ersten Runde.

Ich bin grundsätzlich immer angetan, wenn jemand den notorischen Langeweiler Tellkamp basht. Aber, lieber Gerrit Bartels vom Tagesspiegel,  ist der Move, ihn durch den Verweis auf die Farbe seiner Schuhe („ochsenblutfarben“) in die nicht-vegane Ecke zu stellen, nicht doch einen Tick zu plump?

Im Café Breslau war’s zu dunkel, um ein akzeptables Foto hinzukriegen, deshalb bleibt der kulinarische Wochenhöhepunkt unbebildert: sehr, sehr gute Spare Ribs mit einem Kleckschen Cole Slaw. Man sollte es mit der Beilagenesserei wirklich nicht übertreiben.

Christian Lindner hat das Thrüinger Geschehen präzise zusammengefasst. Es handelte sich um eine „unfallweise zustande gekommene Zusammenarbeit“. Groß. Nur noch groß.

Und der eigentliche Skandal in Thüringen ist natürlich, dass die Akteure bei CDU und FDP sich seit Tagen fragen, was da eigentlich schief gegangen ist. Und die Antwort darauf nicht finden.

Splitterbrötchen (DCCXXIV)

In Augsburg ist ein Polizist mit heißem Nudelwasser angegriffen worden, wie Facebook-Freund Tommy Tulip blitzsauber recherchiert hat, Das wirft Fragen auf: War die Angriffswaffe etwa mit Schuhbecks infamem „Nudelwassergewürzsalz“ gepimpt worden? Wenn ja, ist der Fonsäh jetzt wegen Beihilfe dran?

Bloß weil man etwas nicht versteht, muss es ja noch nicht schlecht sein.

Frischkäse in limitierter Edition? Unbedingt aufheben! In ein paar Jahren ist der tierisch was wert.

Auch wenn Sie sich nicht für Fußball interessieren, dieses Video sollten Sie anschauen:

Der Tweet der Woche stammt vom Kolonialwarenkönig:

Fahrgast: „Sind Sie frei?“ Taxifahrer: „Nein, auch ich bin nur ein Sklave des Systems.“

Gewohnheit verpflichtet nicht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Spaghetti mit Skrei, selbstgeklöppelt.

 

Splitterbrötchen (DCCXXIII)

Wer das wabernde Pathos erträgt und sich nicht an Patricks Stewarts Frontalangriff auf die französische Sprache stört, wird an „Star Trek: Picard“ seine Freude haben.

Beim Auschecken im Hotel ein kleines Trinkgeld gegeben. Prompt bekomme ich Kontext-Werbung für die First Class bei Emirates.

Es liebt in der Natur des Menschen, dass er am liebsten über Dinge urteilt, von denen er keine Ahnung hat.

Das Zitat der Woche stammt von Wilhelm Busch (via Peter Glaser):

„Das Trinkgeschirr, sobald es leer,
macht keine rechte Freude mehr.“

Der SPIEGEL hat im letzten Jahr 630.000 Leser verloren. Nicht weiter verwunderlich. Vielleicht sollte man die Besinnungsaufsätze, mit denen man die eigene Haltung fiert, mal weglassen und es wieder mit Journalismus probieren.

Der Tweet der Woche stammt von @TeamRundU: „Vielleicht bezeichnet das Wort ‚Ehering‘ auch einfach einen Fisch mit Elektromotor.“

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXII)

Fa. Unilever hat das Produkt „Knorr Fix für Sauerbraten“ zurückgerufen, weil dieses Saucen-Imitat auf der Packung als vegan statt als vegetarisch bezeichnet wurde. Kann mir bitte irgendwer erklären, warum jemand auf die Idee kommen könnte, eine vegetarische oder vegane Sauce über ein Stück Fleisch zu kippen?

Am Dienstag wurde ich mit einer dramatischen Morgenröte über Schöneberg beschenkt.

Und wenn man denkt „Mehr als Nudelwassergewürzsalz geht nicht“, kommt der Fonsä, sagt „Halt mal kurz mein Bier“ und produziert ein Döschen mit „Gewürzzubereitung für Butterbrot“.

Daniel Craigs letzter Bond-Film läuft bald an. Es wird Zeit, sich über die Nachfolge Gedanken zu machen. Ich bin für Cillian Murphy.

Der Tweet der Woche von anne victoria Clark: „Wenn irgendjemand das Recht hat, auf Harry und Meghan sauer zu sein, dann sind es die Einwohner von Sussex, die nun ohne ihren Herzog führerlos feindlichen Übergriffen aus Hampshire und Kent ausgesetzt sind.“

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Feine, delikate Doraden-Filets, wie Saltimbocca zubereitet, beim Lieblingsitaliener.

Außen am 187er Bus steht, dass er einen „Nothahn“ mitführt. Frage mich, was für ein Tier das ist bzw. wie und warum es in einem Linienbus eingesetzt wird.

Splitterbrötchen (DCCXXI)

Empörung ist optional.

Das Wort der Woche entnahm ich dem Checkpoint vom Tagesspiegel: „Brunch-Aktivist“.

Selbstverständlich richte ich mich bei der Toilettenpapier-Auswahl ganz nach der Jahreszeit.

Fonsä Schuhbeck ist endlich vollkommen schmerzfrei. Er vertickt allen Ernstes „Nudelwasser-Gewürzsalz“3.

Es ist fast immer sehr hilfreich, sich – bevor man etwas tut – zu fragen, welche Auswirkungen das haben könnte.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Nordhessische Nostalgie mit der „Dicken Rippe“, dem Lieblingsessen meiner Kindheit.

Seit gestern liege ich in der Disziplin „Den bizarrsten Produktnamen auf amazon finden“ uneinholbar weit vorn.

Auf Twitter wurde ich an die düsteren Wein-Zeiten der 70er Jahre erinnert. Als man im Lokal noch die Schutzfrage „Haben Sie auch trockenen Wein?“ stellen musste.

Die Windsors haben mit Amerikanerinnen einfach kein Glück.

Splitterbrötchen (DCCXX)

Fassungsloses Entsetzen vor dem Gewürzregal im Supermarkt: Es gibt tatsächlich Menschen, die Hilfe beim Würzen von Rühreiern benötigen?

Ich kann mir nicht helfen. Als ich Deutschlands derzeitigen Skandal-Song Nr. 1 zum ersten Mal ansah/hörte, dachte ich: „Ganz nett, wie da der rigide Absolutheitsanspruch von FFF auf die Schippe genommen wird.“ Ich hab mir das Lied jetzt noch zweimal angehört, und ich denke das immer noch. Ich käme trotz meines großväterlichen Alters nie auf die Idee, mich durch so eine Alberei angegriffen zu fühlen.

Politiker, die den Bürgern grundsätzlich misstrauen, dürfen sich nicht wundern, wenn das auf Gegenseitigkeit beruht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Dreigang im Zehlendorfer Arcimboldo. Lauwarme Gemüse zur Vorspeise, Dorade zum Hauptgang und Creme brulée zum Dessert. Das waren im Prinzip einfache Gerichte, aber küchentechnisch auf sehr hohem Niveau,  das kriegt nicht jeder so perfekt hin. Der Service war zuvorkommend, das Ambiente lässig-elegant, da kann man’s aushalten.

Man muss Kindern die Möglichkeit geben, sich über Erwachsene lustig zu machen. Man muss Regierten die Möglichkeit geben, die Regierenden zu beschimpfen. Oder würde irgendjemand einen Druck-Kochtopf ohne Ventil betreiben?

Die sicherste Methode, um Interesse für eine Sache zu wecken, ist sie zu verbieten.

Und zu den Umweltsau-Kritikern, die meinen, es wäre ein Skandal, Kinder derart zu instrumentalisieren: d’accord. Sie haben voll-kom-men recht! Verbieten wir sofort die satirische Instrumentalisierung von Kinderchören. Da könnte allerdings einiges auf uns zukommen. Fangen wir am Besten mit Monty Python an: