Splitterbrötchen (CCCXLVII)

Sehnsüchtiges Warten auf den ersten Vorboten des Frühlings: den fallenden Gurkenpreis.

Ich hab es schon ein paar Mal gesagt und geschrieben, ich muss es wohl noch mal tun: Ihr KÖNNT einem Geheimdienst das Überwachen nicht verbieten. Geheimdienste wurden erfunden, um zu überwachen und Verbote zu umgehen, die sie daran hindern sollen. Wenn ihr wollt, dass jegliche Überwachung aufhört, dann müsst ihr die Geheimdienste auflösen. Wie, geht nicht? Ist illusorisch? Ja. Durchaus.

Wenn ich die Wahl zwischen dem Unterzeichnen einer Petition und dem Wechseln des TV-Programms habe, dann greife ich zur Fernbedienung. Man muss ja nicht immer übertreiben.

Beim ganzen Dschungelcamp-Wirbel um Larissa ist die eigentliche Sensation untergegangen: Es ist Frau Schumann offenbar gelungen, eine funktionierende Tarnkappe zu erfinden.

Ken Rosewall in Melbourne auf der Tribüne. Den hab ich noch spielen sehen. In Schwarzweiß. Minutenweise. Sonntags, in der Sportschau. Beste Rückhand aller Zeiten.

 

Splitterbrötchen (CCCXLVI)

Höchst erfreulicher, unterhaltsamer Auftakt zum diesjährigen Dschungelcamp. Mein Tipp fürs Finale: Melanie Müller, Tanja Schumann, Jochen Bendel.

Dringend Empfehlung für alle, die den Sender TNT-Serie empfangen können: Dort läuft gerade die 2. Staffel von „Lilyhammer“. Ein New Yorker Mafioso wird im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms nach Lillehammer in Norwegen umgesiedelt und wendet dort seine gewohnten Geschäftsmethoden an.  Zum Brüllen komisch. Süchtigmachend.

Sollte das schonungslose Bloßstellen dummer Menschen nicht eigentlich zum Bildungsauftrag der öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten gehören?

Kulinarisches Highlight der Woche: das erste Raclette dieses Winters. Bahnbrechende Neuerung dabei: Nürnberger Rostbratwürstchen, gescheibelt unter dem Käse.

Pünktlich immer haargenau dann, wenn man „So eine Riesenpfeife kann Obama doch gar nicht sein…“ denkt, profiliert er sich als noch größere Riesenpfeife.

Hat es wirklich halbwegs intelligente Menschen gegeben, die glaubten, die Geheimdienste würden sich NICHT für all das interessieren, was so ins Internet geschrieben wird? Ihr Schlauberger werdet’s kaum glauben, aber bevor es das Internet gab, hat der Verfassungsschutz beinahe jeden Fetzen Papier vom Flugblatt bis zur Stadtteil- oder Schülerzeitschrift nach verfassungsfeindlichem Gedankengut durchforstet. Die haben sogar das Briefgeheimnis gebrochen und Telefone abgehört, damals! Und damit sollen sie aufgehört haben, weil irgendjemand das Internet erfunden hat? Mammamia, denkt doch mal fünf Minuten nach, bevor ihr die Larmoryanz-Pumpe einschaltet.

 

 

Splitterbrötchen (CCCXLV)

Kulinarisches Highlight der Woche war ein minimalistischer Fisch-Grill-Teller im Carlos. 3 Stück quietschfrischer Fisch auf den Punkt gegrillt, bisschen Gemüse, bisschen Zitrone, bisschen Knoblauch, bisschen Olivenöl… total simpel, aber sehr, sehr gut!

Ärgerlich: Wie windelweich die Medien über Frau Merkels Ski-Unfall berichteten. Keine der relevanten Fragen wurde gestellt: Trug die Kanzlerin eine Helmkamera? Wenn nein, warum nicht, wenn ja, wo sind die Bilder? Mit welcher Geschwindigkeit war Frau Merkel unterwegs, und gibt es dafür Belege? Ist sie abseits oder in der Loipe hingefallen? Hat der Vizekanzler ein Alibi?

Die Weiße-Bohnen-Suppe, die ich anfangs der Woche für uns gekocht habe, war aber auch nicht schlecht.

Eigentlich ist das Internet das ideale Werkzeug, um öfters mal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Komisch, dass das so selten geschieht.

Eine Frage, die angesichts des Hitzlsperger-Outings logisch gewesen wäre, aber m. W. nicht gestellt wurde: Werden sich jetzt mehr Schwule für Fußball interessieren?

 

 

 

 

Splitterbrötchen (CCCXLIV)

Wenn ich gewusst hätte, dass man so nicht nur Tänzerinnen sondern auch Schuhe bezeichnet, wäre mir manch verwinkelter Gedankengang erspart geblieben, als ich von „faltbaren Ballerinas“ las.

Viele Menschen regen sich darüber auf, dass Pofalla zur Bahn geht. Nur wenige Menschen regen sich darüber auf, dass die Bahn einen hundsmiserablen Manager in den Vorstand holt. Eigentlich erstaunlich.

Mir ist ein Rätsel, warum die Käsekrainer nur in Österreich angeboten werden. Wäre mir hundertmal lieber als Currywurst oder das totgekutterte Zeugs, das an den meisten Imbissen als Bratwurst verkauft wird.

Wenn mich spontan die Lust auf Innereien jenseits der Leber befällt, fahr ich meistens ins KaDeWe, da finde ich verlässlich Zunge, Herz, Niere usw. Gibt’s eigentlich dazu eine Alternative? Eine Berliner Fleischerei, wo man derartige Köstlichkeiten nicht vorbestellen muss?

Die Weisheit der Woche (bei Facebook gesehen): „Wenn du unzufrieden mit deinem Leben bist, denk an Bäume, die 25 Jahre wachsen, um dann ein Bushido-Poster zu werden.“

 

Splitterbrötchen (CCCXLIII)

Ratlosigkeit beim Betrachten der montäglichen Helmut-Schmidt-Doku in der ARD: Schmidt wurde in verschiedenen Altersstufen von verschiedenen Schauspielern gespielt, nur der 95-jährige Schmidt wurde von ihm selbst gegeben. Zu knappes Budget? Oder hatte Armin Müller-Stahl keine Zeit?

Furchtbar demütigend: Wenn ein Dummkopf einen für dümmer hält als sich selbst.

Ein Geschenk anzunehmen ist viel schwerer als eins zu machen.

Dass man mit Prüderie immer noch so viele Menschen erreicht, ist schlichtweg zum Kotzen.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCCXLII)

Was mich interessieren würde: ob es ein Patentrezept zur Erstellung von Patentrezepten gibt.

Mein Verleser der Woche: „Makuladegeneration“ gelesen und mich gefragt, was Makulade ist und warum eine ganze Generation nach ihr benannt wurde.

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass dieser Nordic-Walking-Irrsinn von einem Skistock-Fabrikanten ersonnen wurde, der sich aus der Zwangsjacke des Saisongeschäfts befreien wollte. Analog dazu: Der Mensch, dem Entsprechendes für den Tannenbaum einfällt, könnte sehr, sehr reich werden.

Es hinterher besser gewusst zu haben, ist das Privileg des Wirkungslosen.

Endlich „Rien ne va plus“ gesehen, den letzten Kottan-Film. Ich verstehe die ganzen negativen Rezensionen nicht. Habe mich bestens amüsiert, genau wie bei allen Folgen der Serie. Wer natürlich Cinéastenkram wie Handlung, Niveau oder Stringenz erwartet, muss enttäuscht sein.

Überrascht erfahren, dass der „Othello“ in der DDR eine beliebte Gebäckspezialität war. Natürlich drängt sich eine Frage sofort auf: Gibt es Blackfacing auch bei Keksen?

Und dann würde ich gerne noch wissen, welcher geistige Hilfszwerg bei Edeka auf die Idee gekommen ist, auf jeden Zucchino ein Plastikschildchen kleben zu lassen, wo – richtig! – „Edeka“ draufsteht. Und welches Konzept dahintersteht. Soll ich beim Abpopeln so eine Art Memory-Flash bekommen? „Haben wir ja gar nicht beim Aldi geholt, sondern bei Edeka! Donnerhagel!“ Ernsthaft?

Splitterbrötchen (CCCXLI)

Fa. Groupon offerierte diese Woche „Premium-Weihnachtsgeschenke“. Was es nicht alles gibt.

Was es auch gibt: „Weihnachts-Mischbeutel“. Bei Edeka. Kein Scheiß.

Stichwort abstruse Produkte. Stichwort Edeka. „Räucherlachsfilet Glühwein-Orange“.

Kleingartenkolonie = Schrecken, parzelliert.

Meine Mail der Woche: „Sehr geehrter (Name des Empfängers). Ihre E-Mail-Adresse hat uns eine Website für die Beschäftigung gegeben.“

„Große Koalition! Weltuntergang!“ schreit es um mich herum. Haben denn wirklich alle schon vergessen, dass die letzte Große Koalition erst 4 Jahre her ist und der Weltuntergang bzw. das Ende der Demokratie m. W. seinerzeit nicht eingetreten ist? Alle reden von 66-69. Niemand von 05-09.

Splitterbrötchen (CCCXL)

Sollte jemand einen Beatles-Fan im Bekanntenkreis haben und den beschenken wollen: McCartneys neues Album „New“ wird der Person sicherlich Freude machen. Der Opener und die Piano-Ballade am Schluss sind Weltklasse, und das Zeugs dazwischen ist auch nicht übel. Über 70 ist der Kerl. Unglaublich.

An einem Laden voller Nippes und Ramsch vorbeigekommen, das Geschäft hieß dann auch sinnigerweise „Premium Point“. Weiß Bescheid.

Während der Woche drei oder viermal aufgewärmte Reste der Truthahnfüllung (altbackenes Weißbrot in Hühnerbrühe und Weißwein eingeweicht, mit angedünstetem Speck, Zwiebeln, Staudensellerie und viel Butter verknetet) verspeist, das schmeckte auch in der Wiederholung ausgezeichnet. Eingedenk meiner anderweitigen Sucht nach Vorliebe für diese englischen Frühstücks-Würstchen („Bangers“) sollte ich vielleicht das nächste Mal, wenn mich jemand nach meinem Lieblingsessen fragt, einfach „altes, fettiges Brot!“ antworten.

„Eigentlich gehe ich immer davon aus, dass mein Mann einlädt“, hat Maria Furtwängler im Wulff-Prozess asgesagt. Also, wenn das nicht sexistisch ist, dann weiß ich wirklich nicht…

Und dann hab ich mich diese Woche bei der Katastrophenschutzbehörde registriert, um Wetterwarnungen für Berlin-Friedenau zu empfangen (kostenloser Dienst via E-Mail und SMS, katwarn.de). Von Donnerstag bis Freitag erhielt ich drei SMS und drei Mails, alle warnten mich vor einer „Extremwetterlage Warnstufe ROT“ (Großschreibung von katwarn.de) für Berlin 12157, Sturm, Orkanböen, die ganze Palette. Draußen gab es aber nichts anderes als ganz normales, etwas ungemütliches Winterwetter. Dies, gepaart mit dem mittlerweile üblichen live-getickerten Medien-Alarmismus („In Zehlendorf ist ein Baum umgefallen!“) bescherte mir einen klarsichtigen Moment: Ich weiß jetzt, wie ich sterben werde. Ich werde einer Katastrophe zum Opfer fallen, weil ich die Warnungen vor ihr aus Erfahrung (Jetzt! Gleich! Wortspiel!) in den Wind geschlagen (Das war’s!) habe.

Nur weil jemand einen Text als Literatur bezeichnet, muss er das noch lange nicht sein.

 

 

Splitterbrötchen (CCCXXXIX)

Erst diese Woche erfahren, dass es in Karl Mays Geburtsort Hohenstein-Ernstthal einen Ortsteil mit dem wunderbaren Namen „Wüstenbrand“ gibt. Der Kerl musste ja anfangen, von den dollsten Abenteuern zu träumen.

Die Enttäuschung der Woche: Die dritte Kluftinger-Verfilmung, auch die total missraten. Warum hat der Bayerische Rundfunk die Verfilmung dieser wirklich sehr, sehr komischen Bücher ausgerechnet Menschen in die Hand gegeben, die sich in ihrem Humorverständnis an „Zwei Nasen tanken Super“ orientieren? Die glauben, dass Komik entsteht, wenn irgendwelche Vollpfosten sich beknackt benehmen, mit verstellten Stimmen sprechen und man das ganze mit aufgesetzt origineller Musik unterlegt?

Methode Paulsen (bei 180 Grad zwei Stunden anschieben, bei 150 Grad zwei bis zweieinhalb Stunden weiterbraten) funktioniert auch beim Truthahn, sofern man das Viech großzügig mit Speck belegt, um es vor der Vertrocknung zu schützen. Beim nächsten Mal kaufe ich mehr Speck, um auf der Brust nachlegen zu können. Brät schneller aus als man denkt.

Und ganz erstaunlich, wieviel fleischiger als eine Gans so ein Truthahn ist.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCCXXXVIII)

Gesprächsweise Lego-Baukästen von vor fünfzig Jahren thematisiert. Grundkonsens: Man hatte immer zu wenig Grundplatten. Und: Der Niedergang fing mit den Flachbausteinen an. Mit denen frickelte man das gleiche zusammen wie mit den normalen Legosteinen, man brauchte bloß mehr und es dauerte länger. Immerhin bekam man so schon als junger Mensch eine Idee davon, wie die Industrie sich Fortschritt vorstellt.

Als ich vor ein paar Tagen staunend die Empfehlung las, beim Pasta-Kauf darauf zu achten, dass die Teigwaren in Bronze-Formen modelliert wurden (soll für eine rauhere Oberfläche und damit eine verbesserte Saucenaufnahmefähigkeit sorgen) überfiel mich eine Produkt-Idee: Nudeln aus dreihundert Jahre alten sardischen Kirchenglocken. Dafür muss es doch einen Markt geben!

Meine prägenden Dieter-Hildebrandt-Erfahrungen: Die Programme, die Werner Schneyder und er zusammen spielte. Das waren derart grandiose, scharfsinnige, weit über bloßes Kabarett hinaus reichende Abende, die wirken bei mir jetzt noch nach. Das beste Sprach- und Sprech-Theater, das ich je erleben durfte.